Heidenmännle, Säubaschi

Künstler: Leonhard Eder (1933)

Aufstellungsjahr: 1980

Leonhard Eder stammt aus einer bäuerlichen Großfamilie, geboren in St. Johann östlich des Neusiedler Sees in Ungarn. Schon als Kind wurde seine zeichnerische Begabung offenkundig. 1896 wurde die Familie ausgewiesen und fand sich in Bad Mergentheim im Unterfränkischen Taubertal wieder, wo der junge Leonhard eine handwerkliche Ausbildung als Stein­metz und Bildhauer begann und durch wiederholte Ortswechsel vielseitige Erfahrungen sammeln konnte. Zuletzt kam er nach Freiburg, besuchte hier die Mei­sterschule für Bildhauerei, wurde Schüler von Reinhard Chakowski und schloss seine Ausbildung mit der Meisterprüfung ab.

1959 eröffnet Eder im badischen Rheinfelden eine Bildhauer- und Steinmetzwerkstatt die bald mit Erfolg arbeitete, heiratete die Tochter eines Bildhauers aus Waldkirch und arbeitete bald in Bereichen, die über das rein Handwerkliche hinausgehend auch künstlerisch anspruchsvoll wurden. Es entstanden neben Grabsteinen bildhauerische Objekte im öffentlichen Raum, Brunnen, Altäre, Kruzifixe. Der Betrieb musste vergrößert werden, Gesellen und Lehrlinge arbeiteten mit. So bekannte er: "Doch bald wurde mir klar, so war Kunst nicht zu schaffen, da das Werden immer ganz individuelles Suchen bedeutet. Ich strich die handwerkliche Tätigkeit und reduzierte die Mitarbeiter." Seit Mitte der 80er Jahre arbeitete er dann nur noch als freischaffender Künstler. In der Folgezeit entstanden Großprojekte, darunter viele Brunnen. Die freien figürlichen Arbeiten sind überwiegend dem weiblichen Akt gewidmet, in dessen Gestaltung Eder neue schöpferische Wege fand. Sein Arbeitsmaterial ist außer dem Stein auch Terrakotta, Bronze, Aluminium und Eisen.

Im Auftrag der Sparkasse Markgräflerland schuf Eder vor deren Hauptstelle Müllheim eine Darstellung der einheimischen Sage vom Heidenmännlein als mehrteilige, frei aufgestellte Skulptur aus Muschelkalkstein. Die Sage berichtet von drei Jungfrauen, die sich in Müllheim niederließen und ihr reichliches Vermögen in einem Burgbau mit nebenliegenden Scheunen und Ställen anlegten. Eine gewundene Treppe führte zum Turmgemach empor, von wo aus die Jungfrauen den Blick über das Land genossen. Den Schlossgarten bepflanzten sie mit Rosen, weshalb die Leute der Burg den Namen "Rosenburg" gaben. Die Burg gab es in Müllheim wirklich. Was vom Vermögen übrig geblieben war- es soll beträchtlich gewesen sein - vergruben sie im Keller des Bauwerks. Eines schönen Tages kam ein zwergenhaftes Männlein zu den Burgfräuleins und bat um Arbeit. Obwohl sie ihm an Kraft nicht viel zutrauten, stellten sie es ein und es tat alles für sie, besorgte das Anwesen und beaufsichtigte Knechte und Mägde. Wenn die Fräulein ausgingen, begab er s ich in den Keller und bewachte den Schatz,von dem es wusste, obwohl keiner es ihm gesagt hatte. Weil es einen fremdländischen Akzent sprach, nie in die Kirche ging und niemals betend gesehen wurde, nannte man es "Heidenmännle".

Das Heidenmännle wurde uralt und überlebte die Jungfrauen. Es half überall, wo man glaubte es zu brauchen, nur wenn man es ärgerte, wurde er zornig und rächte sich. Eine rätselhafte Hassliebe bestand zwischen ihm und dem Schweinehirten Sebastian, den man seines Namens wegen "Saubäschi" nannte. Wenn dieser die Schweine an der Burg vorbei trieb, neckten sie sich zum Vergnügen aller Leute. Aber eines Tages trieben sie es zu bunt: Der Bäschi stürmte ins Schloss um das Männle zu verprügeln. Dieses warf ihn die steile Treppe hinab, dass er fast zu Tode gestürzt wäre. Von da an wurde das Heidenmännle nie mehr gesehen. Viel­leicht hat es sich auch mit dem Schatz davon gemacht, der ebenfalls verschwunden blieb . Die Skulptur ist voller Erzählfreude, köstlich sind die Jungfrauen in Markgräfler Tracht, hoch auf den Zinnen, die sich ähnelnden Physiognomien von Hirte und Sau, der Dialog der beiden Kontrahenten vor und hinter dem Fenster. Und nicht zuletzt die steile Treppe, mit der die Geschichte endet.

Quelle: Buch "Kunst im öffentlichen Raum im Geschäftsbereich der Sparkasse Markgräflerland"

freier Eintritt
frei zugänglich / immer geöffnet

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