Der weiße Fleck verschwindet

Müllheim führt Konus-Gästekarte und Kurtaxe ein

MÜLLHEIM. Spät kommt sie, doch sie kommt. Zum 1. Februar 2018 soll die Konus-Gästekarte in Müllheim eingeführt werden, mit der Touristen unter anderem im gesamten Feriengebiet Schwarzwald den ÖPNV kostenfrei nutzen können. Das Mittelzentrum ist eine von wenigen Gemeinden weit und breit, wo dieses Fremdenverkehrsangebot noch nicht gilt. Voraussetzung für Konus ist die Einführung einer Kurtaxe – auch das ein wichtiges Novum für Müllheim, das neue Spielräume für das städtische Tourismusmarketing eröffnen soll.

Konus – das gut sprechbare Kürzel steht übrigens für KOstenlose NUtzung des ÖPNV für Schwarzwaldurlauber – wurde 2006 entwickelt und gilt im Tourismusmarketing als ein Erfolgsmodell der besonderen Art, inzwischen auch zahlreich kopiert in anderen Ferienregionen. Knapp 150 Gemeinden in und am Schwarzwald sind inzwischen dabei. Urlauber, die dort absteigen, erhalten eine spezielle Gästekarte, mit der sie zwischen Karlsruhe und Basel bis rüber nach Calw, Rottweil und Waldshut Busse und Bahnen gratis nutzen können – ein Gebiet, das neun Verkehrsverbünde umfasst.

"Konus ist für viele Gäste ein maßgeblicher Faktor für die Entscheidung, wo sie ihre Ferien verbringen wollen", sagt Sabine Lang, Fachbereichsleiterin Tourismus im Müllheimer Rathaus. Und das kann sie schwarz auf weiß belegen. Auf einer Powerpoint-Präsentation, die sie auch erstellt hat, um Gemeinde- und Ortschaftsräte von Konus zu überzeugen, werden mehrere Notizen von Müllheimer Feriengästen eingeblendet, die sich über das Fehlen von Konus beklagt haben. "Unsere ganze Urlaubsplanung haben wir auf die Konuskarte gesetzt", schrieben zum Beispiel zwei Urlauberinnen im vergangenen Jahr, "Schade, dass es diese in der Stadt Müllheim nicht gibt. Entweder müssen wir das jetzt einfach schlucken oder abreisen! Also, arbeiten Sie bitte daran. Dann kommen wir wieder."

Aufbruchstimmung beim Müllheimer Tourismus

Und daran gearbeitet hat man in Müllheim in den vergangenen Monaten intensiv, um diesen "weißen Fleck" auf der Konus-Landkarte, wie Sabine Lang es nennt, zu beseitigen. Der Umstand, dass es in Müllheim so lange gedauert hat, mag wohl daran liegen, dass die Einführung einen gewissen Aufwand bedeutet und der eine oder andere Gastgeber die damit zwangsläufig einhergehende Bürokratie gescheut hat. Vielleicht auch, weil sich das Selbstverständnis von Müllheim als Fremdenverkehrsort noch gar nicht so lang entwickelt hat. Im Moment aber, das vermitteln der auch für den Tourismus zuständige Kulturdezernent Jan Merk, Sabine Lang und ihr kleines Team, herrscht regelrechte Aufbruchstimmung. Knapp 69 000 Übernachtungen wurden in Müllheim 2016 in den Beherbergungsbetrieben mit mehr als zehn Betten gezählt – ein sattes Plus von 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bettenauslastung lag bei rund 41 Prozent, ein im Vergleich zu vielen anderen Ferienorten sehr ordentlicher Wert.
Doch zurück zu Konus und der damit einhergehenden Bürokratie. Die Einführung der Gästekarte bedingt das Erheben einer Kurta xe – auch das in vielen umliegenden Orten schon seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. In Müllheim soll sie ebenfalls ab dem 1. Februar 2018 Realität werden. Mit den über die Kurtaxe generierten Einnahmen wird Konus finanziert – aber nicht nur. Auch andere Projekte zur Weiterentwicklung des Müllheimer Tourismus-Angebotes könnten damit angegangen werden. Außerdem wird für die Abwicklung von Konus und Kurtaxe eine halbe Stelle in der Tourismusverwaltung eingerichtet. Fest steht: Die über die Kurtaxe erzielten Einnahmen sind zweckgebunden für den Fremdenverkehr, betont Sabine Lang.
Die Einführung der Kurtaxe befördert haben auch Änderungen im allgemeinen Melderecht. Erfasst werden sollen auf dieser Basis auch Gastgeber, die auf Online-Plattformen wie Airbnb Ferienunterkünfte anbieten, und die auch in Müllheim und Umgebung schon eine durchaus ernst zu nehmende Rolle spielen. Ein Passus, wonach auch Besucher, die nicht in Beherbergungsbetrieben, sondern unentgeltlich etwa bei Familienangehörigen unterkommen, ab der dritten Nacht zu melden sind, wurde auf Wunsch des Gemeinderates wieder gestrichen. In entsprechenden Mustersatzungen, an denen sich die Müllheimer Verwaltung beim Entwurf ihrer Kurtaxen-Satzung orientiert hat, ist diese Vorschrift enthalten – die in der Praxis aber kaum nachkontrolliert werden kann.
Die Höhe der Kurtaxe beträgt 1,80 Euro pro Tag und Person, Kinder bis sechs Jahre sind befreit, ebenso schwerbehinderte Menschen und deren Begleitpersonen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Mit der Konus-Gästekarte soll es übrigens nicht nur den erwähnten Vorteil bei der ÖPNV-Nutzung geben. In Vorbereitung sind auch diverse Rabatte bei verschiedenen Unternehmen und Einrichtungen, die für Touristen interessante Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Dazu liefen und laufen verheißungsvolle Gespräche, berichtet Sabine Lang, die überzeugt ist, mit der Gästekarte ab dem kommenden Jahr für Touristen in Müllheim "ein wirklich attraktives Paket" anbieten zu können.

Bild Sabine Lang: Tourist-Information Müllheim